Was bedeutet Galileo?


Galileo ist der Name des europäischen Satellitennavigationssytems, das Ende 2010 betriebsbereit sein soll. Es basiert auf 30 Satelliten (27 + drei Ersatz), die in einer Höhe von rund 24.000 km die Erde umkreisen, und einem Netz von Bodenstationen, die die Satelliten kontrollieren. Taschenempfänger in der Größe eines Handys können aus den Funksignalen der Satelliten die eigene Position mit einer Genauigkeit von wenigen Metern bestimmen. Galileo ist für zivile Zwecke konzipiert und unterliegt nicht, wie das US-amerikanische GPS und das russische GLONASS, einer nationalen militärischen Kontrolle.Galileo wird das erste satellitengestützte Positionsbestimmungs- und Navigationssystem speziell für zivile Zwecke sein. Lediglich mit Hilfe eines kleinen Empfängers werden wir den eigenen Standort bis auf wenige Meter genau bestimmen können.
Galileo ist wesentlich für die Zukunft der europäischen Industrien im Bereich der Hochtechnologien. Mit Galileo werden neue, umfangreiche Märkte erschlossen. Es wird Europa den entscheidenden technischen Vorsprung für den internationalen Wettbewerb verschaffen.

Entscheidend für Europa und für die ganze Welt ist, dass unabhängig vom derzeitigen technologisch älteren US-amerikanischen Monopol des Globalen Positionsbestimmungssystems (GPS), ein weiteres, effizienteres und noch zuverlässigeres Angebot besteht.

Wie funktioniert Galileo?

Satellitengestützte Navigationssysteme können die Position eines Objektes durch Messung der Abstände zu mindestens drei bekannten Referenzpunkten (zu den Galileo-Satelliten) exakt bestimmen.
Von der Genauigkeit der Abstandsmessungen hängt ab, wie exakt dieser Punkt bestimmt und wie genau entsprechend die Zielposition ermittelt werden kann. Dazu erfasst ein Empfänger die von den Satelliten abgestrahlten Zeitsignale und errechnet die entsprechenden Entfernungen zu den Satelliten. Deshalb hängt die Genauigkeit direkt mit der Genauigkeit der Zeitmessung zusammen. Nur Atomuhren bieten die erforderlichen Genauigkeiten im Nanosekundenbereich.
Galileo besteht aus einer Konstellation von 30 Satelliten auf drei kreisförmigen Umlaufbahnen in einer Höhe von etwa 24 000km über der Erdoberfläche. Diese Satelliten werden durch ein weltweites Netz von Bodenstationen unterstützt. Anders als GPS wird Galileo für einige kritische Anwendungen Informationen zur Systemintegrität übertragen, um die gewünschte Positionsgenauigkeit zu gewährleisten. Die Benutzer erhalten rechtzeitig eine entsprechende Warnung, wenn das System die angegebene Genauigkeit unterschreitet. Das Galileo System garantiert, dass diese Warnungen selbst für die anspruchsvollsten Anwendungen (z.B. Flugzeuglandungen) rasche genug übermittelt werden.

Struktur von Galileo?

Kern des Galileo-Systems sind 30 Satelliten, die die Erde auf drei verschiedenen Kreisbahnen mit einer Bahnneigung von 56° zum Äquator in 23 616km Höhe umkreisen. Jeweils zehn Satelliten werden gleichmäßig auf jeder einzelnen Bahn verteil; die Satelliten benötigen etwa 14 Stunden für eine Erdumrundung. Einer der Satelliten auf jeder Ebene ist ein aktiver Reservesatellit, der ggf. die Funktion eines in der betreffenden Bahn ausgefallenen Satelliten übernehmen kann.

Zwei Galileo-Kontrollzentren in Europa werden die Konstellation sowie die Synchronisierung der Atomuhren der Satelliten, die Integrität der Signalverarbeitung und die Datenverarbeitung sämtlicher internen und externen Elemente steuern. Sämtliche Bodenstationen und Einrichtungen sind über terrestrische Verbindungen und über VSAT-Verbindungen in einer eigenen weltumspannenden Kommunikationsnetz miteinander vernetzt.

Der Datentransfer zu den Satelliten und von den Satelliten erfolgt über ein allgemeines Netz von Galileo-Uplink Sationen, jeweils mit einer Telemetrie-, Telekommunikations- und Tracking-Station und einer Station für Aufwärtsverbindungen zu Flugmissionen.
Die Galieleo Sensorstationen überwachen die Qualität der von den Satelliten übermittelten Navigationssignale. Informationen dieser Stationen werden über das Galileo-Kommunikationsnetz an die beiden Boden-Kontrollzentren weitergegeben.

Regionale Komponenten werden als unabhängige Systeme die Integrität der Galileo-Dienste gewährleisten. Über von Galileo bereitgestellte, autorisierte Uplinkkanäle werden regionale Dienstanbieter regionale Integritätsdaten übertragen. Das System garantiert , dass Benutzer jederzeit in der Lage sein werden, Daten zur Systemintegrität über mindestens zwei Satelliten mit einem Höhenwinkel von mindestens 25° zu empfangen.
Lokale Komponenten werden das beschriebene System um Funktionen zur lokalen Datenübertragung mit Hilfe terrestrischer Funkverbindungen oder bestehender Kommunikationsnetze erweitern, um Genauigkeit und Integrität des Systems in der Nähe von Flughäfen, Häfen und Endbahnhöfen sowie städtischen Ballungsräumen zu verbessern. Außerdem werden lokale Komponenten eingerichtet, um die Navigationsdienste für Benutzer in geschlossenen Räumen nutzbar zu machen.

Wie funktioniert Satellitennavigation ?
Schon immer haben die Menschen sich am Himmel orientiert. Die heutige Satellitennavigation setzt diese Tradition fort, bietet jedoch dank modernster Technik eine im Vergleich zur einfachen Orientierung an Sonne und Sternen ungleich höhere Präzision. Die Technologie, die zu Beginn in erster Linie militärischen Zwecken diente, wird seit etwa 30 Jahren entwickelt und ermöglicht es dem Benutzer, mit Hilfe eines Geräts für den Empfang von Signalen einer Satellitenkonstellation seine zeitliche und räumliche Position jederzeit exakt zu bestimmen.

Das Funktionsprinzip ist einfach: die zu der Konstellation gehörenden Satelliten sind mit einer Atomuhr für extrem genaue Zeitmessungen ausgerüstet. Die Satelliten senden Signale aus, die verschlüsselte Informationen über den Sendezeitpunkt enthalten. Das Empfangsgerät auf der Erde, das z. B. in einem Mobiltelefon untergebracht sein kann, besitzt einen Speicher mit den genauen Koordinaten der jeweiligen Satellitenumlaufbahnen. Beim Empfang eines Signals kann somit der Satellit, von dem das Signal ausgestrahlt wurde, festgestellt sowie die Laufzeit des Signals und damit auch die Entfernung zum Sendesatelliten berechnet werden. Werden gleichzeitig Funksignale von mindestens vier Satelliten empfangen, so ist eine genaue Positionsbestimmung möglich.

Geschichte von Galileo?

Galileo ist das erste von der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gemeinsam durchgeführte Projekt und Teil des TEN-Verkehrsprojektes. Die Finanzierung der Entwicklungsphase wird von beiden Organisationen zu gleichen Teilen übernommen. Am 27. Mai 2003 einigten sich die Mitgliedsstaaten der ESA nach langen Differenzen über die Finanzierung.
Folgende Staaten außerhalb der Europäischen Union beteiligen sich ebenfalls:
• China mit 280 Mio. Euro
• Indien mit 200 Mio. Euro
• Israel
• Ukraine
• Marokko
• Schweiz (liefert das 'Herz' von Galileo: extrem genaue Rb- u. H-Maser-Atomuhren)
Folgende Staaten verhandeln über eine Teilnahme:
• Argentinien
• Brasilien
• Mexiko
• Norwegen
• Chile
• Südkorea
• Malaysia
• Kanada
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Projektphasen und Kosten
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Planung (Erste und zweite Phase)
Die erste Projektphase zur Definition der Aufgaben finanziert die ESA mit ca. 100 Mio EUR. Die Planungs- und Definitionsphase schließt mit dem Start und der Inbetriebnahme zweier Testsatelliten und der zugehörigen Bodenstationen im Januar 2006 ab. Der Test der Sendefrequenzen muss vor dem 10. Juni 2006 erfolgen, weil sonst die Reservierung für die Galileo-Frequenzbänder bei der ITU verfällt. Mit der Entwicklung, Start und Test von vier Galileo-Satelliten (In Orbit Verification IOV) endet die zweite Phase.

Technische Daten der Satelliten von Galileo?

Technische Daten der Satelliten:
• Testsatellit 1
Bezeichnung: Giove-A (ital. Jupiter, bzw. Galileo In-Orbit Validation Element), bisherige Bezeichnung: GSTB-v2 A (Galileo System Test Bed)
Nutzlast: Signalgenerator, Rubidium-Atomuhren
Hersteller: Surrey Satellite TechnologyStartmasse: 602 kg
Leistung: 700 W
Größe: 1,3 m × 1,8 m × 1,65 m
Gestartet: 28. Dezember 2005 6:19 Uhr MEZTräger: Sojus-FG/Fregat•

Testsatellit 2
Bezeichnung: Giove-B, bisherige Bezeichnung GSTB-v2 B
Nutzlast: Signalgenerator, Rubidium- und Wasserstoffmaser-Atomuhren
Hersteller: Galileo IndustriesStartmasse: 523 kg
Leistung: 943 W
Größe: 0,955 m × 0,955 m × 2,4 m
Starttermin: April 2006
Träger: Sojus-Fregat• Galileo-Satellit (zum Vergleich)
Hersteller: Galileo IndustriesStartmasse: 680 kg
Leistung: 1500 W (nach 12 Jahren)
Größe: 2,7 m × 1,2 m × 1,1 m
Starttermin: 2008
Träger: Ariane 5, Sojus-FregatLebensdauer: über 12 Jahre
Spannweite
Solarpannels: 18,7 m

Technische Daten der Test-Bodenstationen
Bezeichnung: GSTB-V1 Sensor Stations Network

Projektphase und Kosten von Galileo?

Planung (Erste und zweite Phase)
Die erste Projektphase zur Definition der Aufgaben finanziert die ESA mit ca. 100 Mio EUR. Die Planungs- und Definitionsphase schließt mit dem Start und der Inbetriebnahme zweier Testsatelliten und der zugehörigen Bodenstationen im Januar 2006 ab. Der Test der Sendefrequenzen muss vor dem 10. Juni 2006 erfolgen, weil sonst die Reservierung für die Galileo-Frequenzbänder bei der ITU verfällt. Mit der Entwicklung, Start und Test von vier Galileo-Satelliten (In Orbit Verification IOV) endet die zweite Phase.

Die Kosten der zweiten Phase (Entwicklungsphase) von voraussichtlich 1,5 Mrd Euro tragen die Europäische Union und ESA gemeinsam.
Innerhalb der ESA übernehmen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien jeweils 17,5 Prozent. Spanien trägt zehn Prozent der Kosten. Belgien zahlt 26,5 Mio. Euro, der Rest wird unter den übrigen 15 ESA-Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Die übrigen 750 Mio. Euro kommen aus dem Haushalt für transeuropäische Netze der Europäischen Union (TEN). An TEN ist Deutschland über seine EU-Beitragszahlungen mit zirka 25 Prozent beteiligt und ist damit der größte Geldgeber für das Projekt.
Die Phase C/D umfasst den Betrieb von 3 bis 4 funktionstüchtigen Satelliten, dem Raumsegment, und der Boden-Betriebseinrichtungen, dem Bodensegment. Das Bodensegment besteht aus untereinander vernetzten Empfangs- und Sendestationen (siehe dritte Phase).

Fertigstellung (Dritte Phase)
In der dritten Phase, der Errichtungsphase, wird das System fertig gestellt. Alle 30 Satelliten sind dann betriebsbereit und kommunizieren mit dem Bodensegment. Die Kosten werden auf mind. 2,5 Mrd. Euro veranschlagt, die der private Konzessionär (siehe unten) zu 70 Prozent, die öffentlichen Haushalte zu 30 Prozent übernehmen sollen (Public Private Partnership).

Betrieb (Vierte Phase)
Die vierte Phase umfasst den Betrieb und die Wartung des Systems. Man rechnet mit Betriebskosten von ca. 220 Mio. Euro pro Jahr, die ab 2008 ebenfalls der Konzessionär über Public Private Partnership (PPP) aufbringen soll. Möglicherweise tritt die EU mit einer Mrd. Euro für die Jahre 2007–2013 (= 150 Mio. Euro/Jahr) in Vorleistung.

Galileo-Satellitenbahn

30 Satelliten umkreisen die Erde auf drei Bahnebenen mit einer Inklination von 56° in einer Walker-Konstellation. Pro Bahnebene sind neun Satelliten vorgesehen, zusätzlich ein Reservesatellit. Sie haben einen Abstand von 40° mit einer Abweichung von maximal 2°, entsprechend 1000 km. Bei einer Höhe von 23.616 km benötigen die Satelliten zehn Tage, um nach 17 Umläufen den Ausgangspunkt wieder zu erreichen.

Kompatibilität mit GPS

Nach jahrelangen Verhandlungen unterzeichneten am 26. Juni 2004 während des USA-EU-Gipfels in Newmarket-on-Fergus (Irland) der (damalige) US-Außenminister Colin Powell und der amtierende Vorsitzende der EU-Außenminister Brian Cowen einen Vertrag über die Gleichberechtigung der Satellitennavigationssysteme GPS, Glonass und Galileo. Darin wird vereinbart, dass Galileo zu GPS kompatibel sein wird. Damit werden nach Abschluss des Aufbaus von Galileo insgesamt etwa 60 Satelliten zur Navigation zur Verfügung stehen.
Voraussetzung für den Abschluss des Vertrages war, dass die EU auf das präzisere Datenübertragungssystem BOC 1.5 (Binary Offset Carrier) verzichtet und stattdessen auch für die zukünftigen GPS-Satelliten vorgesehene BOC 1.1 zu verwenden. Dadurch ist sichergestellt, dass eine Störung des Galileo-Signals nicht gleichzeitig zu einer Störung des militärischen Signals von GPS führt, was andererseits dem US-Militär ermöglicht, das Galileo-Signal bei Bedarf zu stören, ohne das eigene GPS-Signal zu beeinträchtigen.

Das Projekt Gate ermöglicht den Test von Galileo-Empfängern. Es betreibt im Raum Berchtesgaden terrestrische Funkanlagen, die Signale aussenden, wie sie später von Galileo erwartet werden.