Galileo hinkt hinterher

Das europäische Satelliten-Navigationsprojekt Galileo hat einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht: Im bayerischen Oberpfaffenhofen wurde vor kurzem der Grundstein für das Kontrollzentrum gelegt. Der Vorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Sigmar Wittig äußert sich erfreut über den erreichten Fortschritt: “Mit der heutigen Grundsteinlegung erfolgt der erste wichtige praktische Schritt hin zu einer europäischen Eigenständigkeit im Bereich der satellitengestützten Navigation.” Misslich ist nur, dass das ambitiöse europäische Vorhaben seinem Zeitplan schon um Jahre hinterherschleicht.

Galileo ist das europäische Gegenstück zum US-amerikanischen Global Positioning System (GPS). Europa erhofft sich von der Satelliten-Navigation ein großes Geschäft. Durch Galileo sollen bis zum Jahr 2020 rund 130.000 bis 180.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Gesamtertrag wird auf 74 Milliarden Euro geschätzt.

Im Endzustand wird Galileo aus 30 Satelliten, 50 Bodenstationen und zwei Kontrollzentren bestehen. Die ersten 4 Satelliten sollten eigentlich schon Ende 2005 auf ihrer Position im Weltall sein. Auch ein Kontrollzentrum und 25 Bodenstationen hätten längst schon im Betrieb sein sollen. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass dies nicht vor 2008 zu schaffen ist. Mit dem vollständigen System kann nicht vor 2011 gerechnet werden. Bislang hat aber gerade mal ein Testsatellit - Ende 2005 - die Erde verlassen. Viel später hätte er nicht abfliegen dürfen, sonst hätte es Schwierigkeiten gegeben: Ohne sendenden Satelliten wäre die Reservierung der Galileo-Funkfrequenzen bei der Internationalen Fernmeldeunion im Juni abgelaufen. Auch der Abflug des zweiten Testsatelliten ist bereits zweimal verschoben worden. Der Start ist nun für Frühjahr 2007 geplant.
[ganzer artikel taz.de]

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